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Maße und Aufbau
Die Grabung 2007
Befundlandschaft Kyhna
Funktion der Kreisgrabenanlagen

Vierteilige Kreisgrabenanlage Kyhna 3

Ort: Kyhna (Wiedemar, Nordsachsen)
Typ: Kreisgrabenanlage 4-fach
Datierung: Frühneolithikum | Bandkeramik | Spätmittelalter | 4900 - 4500 v. Chr. | 1100 - 1400 n. Chr.

Beschreibung

Während der Verlegung eines Wassergrabens südwestlich von Großkyhna kamen 1987 mehrere linien- und stichbandkeramische Gruben mit reichlich Fundmaterial zutage, die eine Notbergung nötig machten. Das vierreihige Grabenwerk, das von der Leitung geschnitten wurde, wurde damals jedoch nicht als solches erkannt. Erst als nach 1991 wurde während der ersten luftbildarchäologischen Flüge in Sachsen die vierteilige Grabenanlage von Kyhna (Kyhna 3) entdeckt. Sie war eingebettet in eine archäologische Landschaft, aus Siedlungsgruben und weiteren einfachen oder mehrfachen Grabenwerken. Aus dieser sticht sie aber mit ihren vier konzentrischen Gräben markant hervor. Mehrere Feldbegehungen im Laufe der 1990er Jahre verwiesen bereits auf eine Errichtung der Anlage in der frühen Jungsteinzeit. Um die Datierung, den Erhaltungszustand und Aufbau der Anlage zu überprüfen fand 2007 und 2008 eine Forschungsgrabung statt. Seit 2001 nutzt das Landesamt für Archäologie Sachsen den Umriss der Kreisgrabenanlage als inoffizielles Logo.

Dana Mikschofsky/Annemarie Reck

Maße und Aufbau

Mit ihren vierfachen Kreisgräben stellt die Anlage von Kyhna eine absolute Besonderheit innerhalb da, die innerhalb Sachsens nur in einer weiteren bislang bekannten vierfachen Anlage bei Dresden-Nickern ein Pendant findet. Die annähernd kreisrunden, parallel geführten Gräben des vierteiligen Erdwerks haben Durchmesser von 137 m, 117 m, 96 m und 77 m und umfassen eine Innenfläche von etwa 2200 m². Es wird angenommen, dass der Aushub zusätzlich zwischen den Gräben zu Wallen aufgeschüttet wurde. Hinter den Gräben befanden sich zudem zwei Palisadenreihen, mit Durchmessern von 60 m und 53 m, die im Luftbild nur schwach zu erkennen sind.

Dana Mikschofsky/Annemarie Reck

Bildquelle R. Heynowski, Foto ©LfA 2018.

Die Grabung 2007

Die Grabenreihen sind im Nordwesten, Nordosten, Südwesten und Südosten für Zugänge unterbrochen. Im südöstlichen Torbereich wurde 2007 ein Grabungsschnitt von 10 x 50 m eröffnet. Die Gräben maßen dort Breiten von 1,7 und 3,5 m bei noch erhaltenen Tiefen von 1,3 bis 1,8 m. Bei den drei innenseitig gelegenen Gräben handelte es sich um Spitzgräben. Der äußere Graben war nur randlich am Grabenkopf angeschnitten. Tendenziell nahmen die Grabentiefen nach außen hin ab. Ob zwischen den Gräben tatsächlich Wälle aufgeschüttet worden waren, konnte nicht festgestellt werden. Die Palisadengräben, in die einstmals hohe Holzpfosten eingelassen waren, waren noch 0,5 m tief erhalten und maßen Breiten von 0,3 m bis 0,4 m. In der äußeren Palisade fand sich parallel zur Unterbrechung der Gräben keine sichtbare Aussparung. Ebenso konnten im Torbereich keine Pfostenspuren entdeckt werden, die auch eine Toranlage hindeuten könnten.

Dana Mikschofsky/Annemarie Reck

Bildquelle R. Heynowski, Foto ©LfA 2007.

Befundlandschaft Kyhna

Die vierteilige Kreisgrabenanlage Kyhna 3 steht nicht isoliert, sondern inmitten einer früh jungsteinzeitlichen Landschaft. In der unmittelbaren Umgebung finden sich noch mindestens drei, möglicherweise vier weitere Kreisgrabenanlagen sowie weitere archäologische Strukturen. Kyhna 1 liegt westlich der vierteiligen Anlage von Kyhna 3 und besitzt drei Kreisgräben mit Durchmessern von 71 m, 58 m und 42 m. Die Gräben des nordwestlich gelegenen Doppelgrabenwerkes Kyhna 2 besitzen Durchmesser von 101 m und 88 m. Ein weiteres, südöstlich gelegenes Doppelgrabenwerk Kyhna 4 misst Grabendurchmesser von 87 m und 69 m. Zwischen beiden Gräben befindet sich ein weiterer, im Luftbild selten erkennbarer Graben, bei dem es sich auch um einen Palisadengraben handeln könnte. Nördlich von Kyhna 3 befindet sich eine fünfte, einfache Kreisgrabenanlage Kyhna 5 mit einem Durchmesser von ca. 60 m. Östlich des vierteiligen Kreisgrabens liegt vermutlich eine weitere einfache Anlage (Kyhna 6). Die beiden einfachen Kreisgrabenanlagen sind von zwei unregelmäßigen Grabenstrukturen eingefasst.

Dana Mikschofsky/Annemarie Reck

Bildquelle R. Heynowski, Foto/A. Reck, Bearbeitung ©LfA 2024.

Funktion der Kreisgrabenanlagen

Die Funktion der Kreisgrabenanlagen wird in der Forschung noch immer diskutiert. Die Vielzahl der Deutungen reicht von Kalenderbauten, astronomischen Beobachtungszentren und Sonnentempeln bis hin zu religiösen, sozialen oder wirtschaftlichen Versammlungsorten. Dabei ist eine multifunktionale Nutzung sowohl für sakrale, als auch profane Zwecke durchaus denkbar. Die Innen- und Außenbereiche können dabei eine ganz unterschiedliche Nutzung erfahren haben. Das Phänomen der Kreisgrabenanlagen ist im frühen 5. Jahrtausend in ganz Mitteleuropa weit verbreitet. Die Kreisgrabenanlage Kyhna 3 wurde von der frühneolithischen Stichbandkeramischen Kultur errichtet. Südwestlich der Kreisgrabenanlagen befindet sich eine vage rechteckige Struktur. Dabei handelt es sich um den Dorfgraben des Ortes Raitz, der im 14. Jahrhundert wüst fiel. Bei dem oval-rechteckigen Einschluss in der Nordwestecke könnte es sich um einen befestigten Herrenhof innerhalb der Wüstung handeln.

Dana Mikschofsky/Annemarie Reck

Bildquelle U. Wohmann, entzerrtes Luftbild, TK 1:25000 ©LfA 2002.

Literatur

Henning Hassmann/Dana Mikschofsky/ Louis Nebelsick, Der heilige Hain. In: Judith Oexle (Hrsg.), Sachsen: archäologisch. 12.000 v. Chr. – 2.000 n. Chr. (Dresden 2000) 48–51.
Ronald Heynowski, Die Landschaft ist voller Geschichte. In: Regina Smolnik/Ronny Zienert (Hrsg.), Höhenflüge. Luftbilder und Archäologie in Sachsen (Dresden 2024) 44–45.
Andreas Kinne/Birgit Schneider/Harald Stäuble/Christian Tinapp, Ein zweiter Schnitt durch Kyhna. In: Regina Smolnik (Hrsg.), Ausgrabungen in Sachsen 3. Arbeits- und Forschungsberichte zur sächsischen Bodendenkmalpflege, Beiheft 24 (Dresden 2012) 18–24.
Dana Mikschofsky, Vierteilige Kreisgrabenanlage. In: Regina Smolnik/Ronny Zienert (Hrsg.), Höhenflüge. Luftbilder und Archäologie in Sachsen (Dresden 2024) 46–47.
Dana Mikschofsky, Archäologische Luftbilderkundung in Kyhna, Lkr. Delitzsch. Archäologie aktuell 5, 1997, 106–111.
Harald Stäuble, Ein gelungener Schnitt. Archæo 4, 2007, 12–13.

Hinweis zum Denkmalschutz

Archäologische Denkmäler stehen unter dem Schutz des Sächsischen Denkmalschutzgesetzes. Für Bodeneingriffe oder Baumaßnahmen ist eine denkmalrechtliche Genehmigung erforderlich.

Permalink

Zitat des Beitrags / Citation

Dana Mikschofsky/Annemarie Reck, Vierteilige Kreisgrabenanlage Kyhna 3. In: Landesamt für Archäologie Sachsen, Website archaeo | SN (21.02.2024). https://archaeo-sn.de/ort/vierteilige-kreisgrabenanlage-kyhna-3/ (Stand: 24.05.2024)

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