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Ausmaße des Walls
Tor und Aufbau
Funde und Datierung
Befestigter Handels- und Handwerksort

Wallanlage auf dem Staupenberg

Ort: Wendishain (Hartha, Mittelsachsen)
Typ: Befestigte Anlage
Datierung: Jüngere Bronzezeit | 1200 - 1000 v. Chr.

Beschreibung

Der Staupenberg liegt verkehrsgünstig am linken Ufer der Freiberger Mulde etwa 2,5 km unterhalb der Einmündung der Zschopau und nahe einer alten Furt bei Westewitz. Tief eingeschnittene, steilabfallende Täler trennen den Staupen vom Hinterland ab. Seine annährend dreieckige Hochfläche misst an ihrem höchsten Punkt 239,7 m und überragt die Mulde damit um ca. 80 m. Das gesamte Plateau wird von einem über 3 km langen Ringwall umschlossen. Bei Waldarbeiten zutage gekommene Funde verweisen dabei auf die jüngere Bronzezeit. Mit seiner Lage entlang des Flusses, unweit eines Flussübergangs und seiner vergleichsmaßen großen Fläche, weist der Staupen deutliche Parallelen zur Goldkuppe auf.

Ronald Heynowski/Annemarie Reck

Ausmaße des Walls

Die vom Wall begrenzte Hochfläche misst in ihrer maximalen Länge 700 m bei einer Breite von bis zu 330 m und schließt ein Areal von 12 ha ein. Heute besitzt der Wall noch immer eine Breite von 9 m bis 10 m bei einer erhaltenen Höhe von durchschnittlich 2 m. Seine größten Ausmaße erreicht der Wall an der südlichen Spitze, wo die Böschung bis zu 8 m Höhe beträgt. An der Südfront, aber auch an anderen Wallabschnitten lassen sich zudem ein flacherer Vorwall von ca. 1,5 m Höhe sowie ein vorgelagerter Graben nachweisen.

Ronald Heynowski/Annemarie Reck

Bildquelle H. Kaufmann 1988, 147, Abb. 1.

Tor und Aufbau

Einziehende Wallabschnitte an der gut gesicherten Südwestende deuten auf eine Toranlage hin. Im Digitalen Geländemodell (DGM) werden zusätzlich die Spuren von Hohlwegen sichtbar, die vom Muldetal auf das Tor zulaufen. Die weiteren Walldurchbrüche sind wohl erst in jüngerer Zeit entstanden. Zwei Quellen am Nordwest- und Südostrand der Befestigung sicherten den einstigen Bewohnern der Anlage den Zugang zu Frischwasser. Aufschlüsse an jüngeren Walldurchbrüchen erlauben einen Einblick in den Wallkörper. Die ursprüngliche Mauer bestand wohl hauptsächlich aus Erde und Steinen, die in einer Holzkonstruktion eingefasst waren. Darauf lassen Holzkohlereste im Wall schließen.

Ronald Heynowski/Annemarie Reck

Bildquelle R. Heynowski 2024, 124.

Funde und Datierung

Im Bereich der Wallaufschlüsse, aber auch bei Forstarbeiten, kamen immer wieder archäologische Funde zutage. Mehrheitlich handelt es sich dabei um Gefäßreste aus der jüngeren Bronzezeit. Neben charakteristischen Randscherben und Henkelpartien kommen Fragmente doppelkonischer Gefäße mit gekerbten Umbruch vor sowie mit Fingertupfen- und Ritzlinienzier versehene Keramikfunde. Weiterhin zählen Reste von Siebgefäßen, Spinnwirtel und Brandlehm sowie Tierknochen zu den Fundstücken. Hinzu kommen typisch jungsteinzeitliche Steingeräte, die von einer früheren Nutzung des Bergplateaus zeugen oder aber in der Bronzezeit weiter genutzt worden sein könnten. Außerdem sind auch einige Funde slawischer Keramik aus dem 9. und 10. Jahrhundert belegt sowie einzelne Reste spätmittelalterlicher blaugrauer Ware.

Ronald Heynowski/Annemarie Reck

Bildquelle OA 29830, 486. Nachlass A. Rudolph, Foto ©LfA 2016.

Befestigter Handels- und Handwerksort

Die befestigte Höhensiedlung auf dem Staupen wurde wohl vor allem wegen ihrer verkehrsgünstigen Lage an dieser Stelle errichtet. Die Freiberger Mulde, die Zschopau und die Zwickauer Mulde verbinden das Erzgebirge und Böhmen mit dem Mittelelbegebiet. Neben Überlandstraßen stellen Flüsse seit Jahrtausenden wichtige Fernwege dar, auf denen Menschen und Handelsgüter unterwegs waren. Diese Transport- und Verkehrswege benötigten Schutz und Sicherheit. Bereits in der Vorgeschichte wurden darum entlang von Handelswegen Befestigungen errichtet. Sie dienten als eine Anlaufstelle für Handelsreisende, als Umschlagsplatz für Waren, als Anziehungspunkt für Handwerksleute und einer politischen Oberschicht zur Demonstration ihrer Macht. Die Lage des Staupen nahe der Kreuzung von Fluss und Furt sowie der nahen Mündung der Zschopau in die Mulde legen eine solche Interpretation als befestigter Handels- und Handwerksort für den Staupen nahe.

Ronald Heynowski/Annemarie Reck

Bildquelle R. Heynowski, Foto ©LfA 2009.

Literatur

Ronald Heynowski, Wallanlage auf dem Staupen. In: Regina Smolnik/Ronny Zienert (Hrsg.), Höhenflüge. Luftbilder und Archäologie in Sachsen (Dresden 2024) 124–125.
Hans Kaufmann, Der Ringwall auf dem Staupenberg in der Flur Wendishain, Kr. Döbeln. In: Heinz-Joachim Vogt (Hrsg.), Archäologische Feldforschungen in Sachsen. Arbeits- und Forschungsberichte zur sächsischen Bodendenkmalpflege, Beih. 18 (Berlin 1988) 146–148.

Hinweis zum Denkmalschutz

Archäologische Denkmäler stehen unter dem Schutz des Sächsischen Denkmalschutzgesetzes. Für Bodeneingriffe oder Baumaßnahmen ist eine denkmalrechtliche Genehmigung erforderlich.

Permalink

Zitat des Beitrags / Citation

Ronald Heynowski/Annemarie Reck, Wallanlage auf dem Staupenberg. In: Landesamt für Archäologie Sachsen, Website archaeo | SN (23.02.2024). https://archaeo-sn.de/ort/wallanlage-auf-dem-staupenberg/ (Stand: 24.05.2024)

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