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Die Wasserburg
Eine Burg für Bauern?

Wasserburg bei Oberdorf

Ort: Oberdorf (Stollberg, Erzgebirgskreis)
Typ: Wasserburg
Datierung: Spätmittelalter | 1200 - 1400 n. Chr.

Beschreibung

Während einer luftbildarchäologischen Befliegung im Winter 1999 wurde im Ortsteil Oberdorf in Stollberg ein bis dahin unbekannter Befund entdeckt, der sich im frischen Schnee bei seitlichem Lichteinfall deutlich abzeichnete: ein von einem flachen Wall und einem Graben umgebener Hügel mit einer gut sichtbaren Delle darin. Die Form und Ausmaße des Befundes erinnern das geschulte Auge sogleich an eine spätmittelalterliche Wasserburg. Allerdings sind bei Oberdorf weder ein Rittergut noch ein Adelssitz aus den mittelalterlichen Quellen bekannt.

Dana Mikschofsky/Annemarie Reck

Die Wasserburg

Der von Otto Braasch im Jahr 1999 erstmals aus der Luft beobachtete Befund wurde bald nach seiner Entdeckung auch durch eine Ortsbegehung bestätigt. Der Gesamteindruck einer Wasserburg konnte dabei ebenfalls erhärtet werden. Ihr Gesamtdurchmesser beträgt 35 m, auf das Plateau der Turmhügelburg entfallen davon 15 m. Der inzwischen verlandete Graben misst heute noch etwa 6 m. Hinzu kommt ein inzwischen stark verflachter Außenwall, dessen Reste im Norden und Süden der Niederungsburg noch etwa 4 m breit erhalten sind. Das Plateau des Turmhügels erhebt sich heute noch 0,8 m bis 1 m über dem Niveau der Grabensohle. Das ursprüngliche Bauwerk deutet sich noch schwach durch eine sichtbare Delle in der Hügelkuppe an. Westlich der Anlage, in etwa 20 m Entfernung fließt der Oberdorfer Bach, der den Graben einstmals mit Wasser gespeist haben dürfte.

Dana Mikschofsky/Annemarie Reck

Bildquelle O. Braasch, Foto ©LfA 1999.

Eine Burg für Bauern?

Das Waldhufendorf Oberdorf findet Mitte des 15. Jahrhunderts erstmals Erwähnung in den Geschichtsquellen, kann zu diesem Zeitpunkt allerdings bereits mehrere Jahrzehnte bestanden haben. Ein Herrensitz ist dort allerdings nicht belegt. Spätere Quellen aus dem Jahr 1729 sprechen das Gelände am Obersdorfer Bach als Anger an, der zu dieser Zeit im Sommer als Viehweide genutzt wurde. Es ist davon auszugehen, dass die Wiese schon in früherer Zeit zur Allmende gehörte. Demnach handelt es sich wohl um eine der nicht sehr zahlreichen Befestigungen für die bäuerlichen Gemeinschaft, etwa zur Sicherung des dörflichen Eigentums, der Ernte oder des Saatguts. Ohne schriftliche Quellen oder eine archäologische Grabung kann die Wasserburg nur formell ihrem äußeren Aufbau als Turmhügelburg entsprechend in das 12. bis 14. Jahrhundert datiert werden.

Dana Mikschofsky/Annemarie Reck

Bildquelle E. Lorenz, Foto ©LfA 2018.

Literatur

Volkmar Geupel, Die mittelalterliche Wasserburg in Oberdorf bei Stollberg. Arbeits- und Forschungsberichte zur sächsischen Bodendenkmalpflege 43, 2001, 293–295.
Volkmar Geupel, Führer zu den Burgen und Wehrkirchen im Erzgebirgskreis (Dresden 2013) 121–123.
Dana Mikschofsky, Zum Selbstschutz der Bauern. In: Regina Smolnik/Ronny Zienert (Hrsg.), Höhenflüge. Luftbilder und Archäologie in Sachsen (Dresden 2024) 138–139.

Hinweis zum Denkmalschutz

Archäologische Denkmäler stehen unter dem Schutz des Sächsischen Denkmalschutzgesetzes. Für Bodeneingriffe oder Baumaßnahmen ist eine denkmalrechtliche Genehmigung erforderlich.

Permalink

Zitat des Beitrags / Citation

Dana Mikschofsky/Annemarie Reck, Wasserburg bei Oberdorf. In: Landesamt für Archäologie Sachsen, Website archaeo | SN (23.02.2024). https://archaeo-sn.de/ort/wasserburg-bei-oberdorf/ (Stand: 25.05.2024)

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