Logo Archaeo | 3D
Lage des Erdwerks
Aufbau und Befunde
Grabung 2013
Funde und Datierung

Zweiteiliges Grabenwerk Mehltheuer

Ort: Mehltheuer (Hirschstein, Meißen)
Typ: Rundliches Grabenwerk 2-fach
Datierung: Mittelneolithikum | Baalberger Kultur | 3800 - 3400 v. Chr.

Beschreibung

Bereits im Jahr 1992 entdeckte Otto Braasch während einer der ersten Luftbildprospektionen in Sachsen das doppelte Grabenwerk von Mehltheuer. Der Fundort liegt nördlich des Mehltheuerbaches auf einer kiesig-sandigen Hügelkuppe, die sich mit 135 m ü. NHN etwa 10 m über das umliegende Gelände erhebt. Das ovale Grabenwerk umschließt eine Innenfläche von 8 ha. Die wenigen, im Bereich des Erdwerks aufgefundenen Keramikscherben lassen auf ein mittelneolithisches Alter der Anlage schließen. Eine einzelne verzierte Randscherbe konnte der Baalberger Kultur zugeordnet werden.

Dana Mikschofsky/Annemarie Reck

Lage des Erdwerks

Das Grabenwerk von Mehltheuer zeichnet sich vor allem im Nordwesten und Westen des Hügels ab. Im Süden werden die Gräben teilweise durch von der Hügelkuppe abgeschwemmte Erdmassen überdeckt, weshalb der Grabenverlauf in diesem Bereich nur stellenweise und bei guten Beobachtungsbedingungen sichtbar wird. Im Osten werden die Gräben durch zwei Feldwege überlagert. Im Raum Riesa sind bis heute ganze sechs solcher Grabenanlagen bekannt, die in etwa gleichmäßigen Abständen von ca. 5 Kilometer zueinander errichtet wurden. Neben Mehltheuer stammen zumindest auch die Grabenwerke von Riesa und Prausitz gesichert aus dem 4. Jahrtausend vor Christus.

Dana Mikschofsky/Annemarie Reck

Bildquelle R. Heynowski, Foto ©LfA 2012.

Aufbau und Befunde

In den Gräben des Erdwerks von Mehltheuer befinden sich mehrere Unterbrechungen, die als Zugänge dienten. Dabei stimmen die Öffnungen im inneren und äußeren Graben meist miteinander überein oder sind nur leicht versetzt angebracht worden. In der Innenfläche zeichnen sich im Luftbild gut erkennbar zahlreiche Pfostenlöcher und Gruben ab. Anhand ihres Bewuchses konnten sie im Sommer 2012 sogar mit dem GPS eingemessen werden. Ihre Funktion jedoch bleibt unklar. Hinter den Doppelgräben zeichnet sich in etwa 3 m Abstand ein schmaler Palisadengraben ab, der die Innenfläche zusätzlich einschließt. Er konnte erstmals 2012 in der Wintergerste beobachtet werden.

Dana Mikschofsky/Annemarie Reck

Bildquelle J. Frase u. a., Archæo 10, 2013, 17, Abb. 3. J. Frase u. a., Archæo 10, 2013, 17, Abb. 3.

Grabung 2013

Im Sommer 2013 wurde von der Universität Leipzig in einem der Torbereiche ein 35 m langer und 5 m breiter Sondageschnitt geöffnet. Dabei konnte nachgewiesen werden, dass die Gräben je eine Breite von 5 m aufwiesen und noch bis zu 3 m tief erhalten waren. Es fanden sich keine Hinweise auf eine Wallkonstruktion hinter den Gräben, die aufgrund des mutmaßlich reichen Aushubmaterials zu erwarten gewesen wären. Im Bereich Grabenunterbrechungen stieß das Grabungsteam auf zwei diagonal angeordnete Palisadengräben, die noch bis zu 0,65 m tief im Boden erhalten waren. Es ist anzunehmen, dass sie zu einer Torkonstruktion gehörten. Wie diese jedoch ausgesehen haben könnte, bleibt unklar. Soweit es in dem leicht diagonal angelegten Grabungsschnitt beobachtet werden konnte, lief der Toreinbau auf einen Sperrriegel zu.

Dana Mikschofsky/Annemarie Reck

Bildquelle J. Frase u. a., Archæo 10, 2013, 18, Abb. 5.

Funde und Datierung

Die Verfüllungen der Gräben in Mehltheuer erinnert stark an die Situation der Gräben in Riesa und Prausitz. Ebenso auffällig war für das Grabungsteam die Fundarmut, worin eine weitere Parallele zu den beiden genannten Erdwerken besteht. In den 2013 ergrabenen Befunden befanden sich insgesamt nur 59 Wandscherben, fünf Bodenscherben und fünf Randscherben, wovon lediglich eine verziert und dadurch näher ansprechbar war. Dabei handelte es sich um eine Keramikscherbe mit umgeschlagenen Rand und einer mit Fingereindrücken verzierten Leiste, die der mittelneolithischen Baalberger Kultur zugewiesen werden kann.

Dana Mikschofsky/Annemarie Reck

Bildquelle J. Frase, Foto ©LfA 2013.

Literatur

Jörg Frase/Ronald Heynowski/Matthias Jörke/Gunar Seifert/Michael Strobel/Ulrich Veit/Richard Vogt, Mehltheuer. Ein trichterbecherzeitliches Grabenwerk mit Toreinbauten. Archæo 10, 2013, 16–19.
Dana Mikschofsky, Ein zweifaches Grabenwerk mit Palisade. In: Regina Smolnik/Ronny Zienert (Hrsg.), Höhenflüge. Luftbilder und Archäologie in Sachsen (Dresden 2024) 58–59.

Hinweis zum Denkmalschutz

Archäologische Denkmäler stehen unter dem Schutz des Sächsischen Denkmalschutzgesetzes. Für Bodeneingriffe oder Baumaßnahmen ist eine denkmalrechtliche Genehmigung erforderlich.

Permalink

Zitat des Beitrags / Citation

Dana Mikschofsky/Annemarie Reck, Zweiteiliges Grabenwerk Mehltheuer. In: Landesamt für Archäologie Sachsen, Website archaeo | SN (23.04.2024). https://archaeo-sn.de/ort/zweiteiliges-grabenwerk-mehltheuer/ (Stand: 24.05.2024)

Creativ Common Lizenz Logo CC BY-NC 4.0